Freitag, Juli 17, 2026

Wenn die mmu.library dir den Tag versaut


Einleitung Wie mir eine "fehlende" mmu.library Bootzeiten von bis zu 5 Minuten unter AmigaOS 3.2.3 eingebracht hat.
AmigaIndiECSV4.jpeg

Bild eines offenen Amiga 500 mit eingebauter Indivision ECS V4

Ich habe die letzten Tage viel Zeit mit AmigaOS 3.2.3 verbracht. Viel Zeit, weil es “plötzlich” 4 Minuten und 38 Sekunden gedauert hat, um nach dem Einschalten auf die Workbench Oberfläche zu kommen. Da es im Internet viele Probleme, aber immer seltener wirklich Lösungen zu finden gibt, habe ich mein Problem hier einmal genauer beschrieben, in der Hoffnung, dass dieses spezielle Problem dem ein oder anderen User vielleicht diese Zeit, die ich investiert haben, erspart.

Ich bin ja selber ein “Wiedereinsteiger” und habe so unglaublich Spaß, wieder an einem Amiga zu sitzen. Da hier viele Einstellungen zusammenspielen, dachte ich, ich poste das mal hier rein. Vielleicht braucht das mal wer und dieser Person möchte ich die vielen (vielen) Stunden ersparen, die ich die letzten Tage an diesem Problem gesessen habe.

Zum Setup:
Amiga 500 (Rev. 6a)
ACA500plus (Firmware 0.156)
ACA1234 Turbokarte (mit MMU)
Indivision ECS V4 (Firmware 1.2)
Picasso96 (P96) Version 3.6.3
AmigaOS 3.2.3

Das Problem:
Nachdem alles eingebaut, installiert und konfiguriert war lief anfangs auch alles sehr zufriedenstellend. Dann wollte ich mal den Bootscreen der Kickstart 3.2.3 sehen und habe die ACA500plus so konfiguriert, dass diese beim Kickstart stehenbleibt. Ok, alles sehr schön. Ich weiß heute aber nicht mehr, was genau dann dazu führte, aber nach einem Neustart des Systems landete ich im F10 Menü der ACA500plus und die Uhrzeit war weg. Es stand wieder irgendwas 1978 oben rechts.

Jeder Neustart ab jetzt endete augenscheinlich in einem Crash, denn man sah wie die Workbench booten wollte, aber irgendwann einfach stehengeblieben ist. Der Bildschirm blieb einfach schwarz. Eine Minute gewartet, zwei Minuten gewartet … nach 3 Minuten ausgeschaltet und neu eingeschaltet und das selbe Spiel. Gedanklich war ich dabei, mein System irgendwie “geschrottet” zu haben, ohne zu wissen wie. Da es spät war, am nächsten Tag weiter gefrickelt. Suchen nach dem Thema “lange Bootzeit” bringen einen alle nur zu Wartezeiten auf Grund von IDE-Adaptern.

Dann kam mir die Idee, die Startup-Sequence Zeile für Zeile durchzugehen, also beim Booten beide Maustasten gedrückt halten und die Option (Trace Startup-Sequence) aktiviert. So muss man bei jeder Zeile bestätigen, ob man diese ausführen oder überspringen möchte. Also wieder gebootet und dann der erste entscheidende Hinweis. Bei der Zeile LoadMonDrvs bleibt der Amiga hängen. Während ich auf dem Rechner nach Lösungen suche, geht es nach einer gefühlten Ewigkeit plötzlich weiter. Ich bestätige die restlichen Zeilen und der Amiga bootet bis zur Workbench. WOW. Also ist doch nicht alles kaputt. Also eine Stoppuhr geholt, den AMIGA resettet und vom Booten die Stoppuhr gestartet. Vom Reset bis zur Workbench geht es wirklich weiter, es dauert nur sage und schreibe 4 Minuten und 38 Sekunden.

Da das Problem augenscheinlich bei den Monitor-Treibern liegt, da mal reingeschaut und nur die üblichen Verdächtigen plus IndiECS gefunden. Die IndiECS mal auf die TransferCF verschoben, den AMIGA neu gestartet und siehe da, der Amiga ist in 5 Sekunden auf der Workbench, natürlich mit einer “häßlichen” Oberfläche, aber er bootet sofort durch! Sobald ich die IndiECS.info-Datei wieder in die Schublade Monitor kopiere, dauert es wieder fast 5 Minuten, bis die Workbench kommt.

Immer wieder die Frage, was habe ich für einen Fehler gemacht?
Ich google weiter und mir ist ja klar, dass die Indivision ECS V4 mit Picasso96 die MMU der Turbokarte braucht. Die KI gefragt, bekommt man nur Bullshit-Antworten wie, dass die mmu.library “schlafen” würde unter AmigaOS 3.2.3 und man soll eine alte Library aus dem Aminet installieren. Das kann es ja aber nicht sein, denn es lief ja mal. Aber ich war zumindest auf dem richtigen Weg.

Die Lösung:
Ich weiß nicht warum, aber meine ACA500plus speichert die Profile nicht sauber. Es ändern sich immer wieder mal verschiedene Einstellungen. Das ist für mich nicht weiter schlimm, wenn man das weiß, dann muss man halt immer wieder mal schauen, aber…

Wer das mal haben sollte und ganz sicher ist, dass seine ACA1234 eine MMU hat (denn das ist ja Voraussetzung für den Picasso96-Treiber), dann achtet darauf, dass in der ACA500plus nicht nur die Turbokarte angezeigt wird, sondern auch die MMU (darüber) NICHT auf AUS oder AUTOMATISCH angezeigt wird. In beiden Fällen verzögert das den Start. Was leider hinzukommt ist die Tastaturbelegung im Menü der ACA500plus. Die Einstellung der MMU liegt auf der Taste Y. Bei meinen Versuchen die Option mit Y zu verändern, passierte rein gar nichts. Es stand auf AUTOMATISCH und da ging ich davon aus, das muss so.

Heute dann kam mir die Idee, vielleicht ist ja was mit dem Tastaturlayout? Also noch einmal in das F10-Menü. Alle Einstellungen vorgenommen und anstatt Y die Taste Z gedrückt und siehe da, man kann zwischen EIN, AUS und AUTOMATISCH wählen. Ich schalte die MMU (die mir in der SYSINFO auch angezeigt wurde, wenn der Amiga durchgestartet war) von AUTOMATISCH also auf EIN und boote …. und knappe 7 Sekunden später befinde ich mich auf der Workbench von AmigaOS 3.2.3. 8|

Ok, also Problem nach 2 Tagen (und diversen Stunden), der Fehlersuche in vielen “falschen Ecken” dann am Ende doch noch gelöst. Ich beschreibe das hier deswegen so genau, in der Hoffnung, sollte das mal einer googeln, es ihm vielleicht hilft.

Ich bin mit meinem AMIGA 500 in dieser Konfiguration und Geschwindigkeit doch sehr zufrieden, auch wenn die letzten Tage recht “frustig” waren 🙈

Noch ein Tipp:
Ja, KI kann bei solchen Fragen helfen. In mindestens der Hälfte meiner Fragen hat sie mir aber Bullshit erzählt, was einmal in einer Startup-Sequence endete, mit der der Amiga gar nicht mehr bootete. Ich wusste mir zwar immer zu helfen, aber bei so einem Blödsinn wie “installiere mal alte Treiber aus dem Aminet, weil die neue mmu.library “schlafend herumliegt”, habe ich dann doch “aufgehört”. Ist ja nichts neues, dass man nicht alles glauben soll, was KI schreibt ;)

Natürlich hat eine solche Konfiguration auch viele Fehlerquellen und ich will gar nicht ausschließen, dass das Problem hin und wieder 60cm vor dem Bildschirm sitzt.

Nachtrag 20.07.2026 - 21:12 Uhr
Nach einem längeren Gespräch mit Jens aus dem iComp-Forum, gibt es ggf. noch weitere interessante Neuigkeiten zu diesem “Problem”, die ihr ggf. wissen solltet.

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